Live-Shopfloor-Daten aus einem Legacy-ERP

iosys x DUAP: Das Production Control Center

Zusammenfassung

Die DUAP AG, ein Schweizer Präzisionsfertiger von Einspritzsystemen für Grossmotoren, arbeitete mit iosys zusammen, um Live-Produktionsdaten aus ihrem proprietären, undokumentierten ERP auf den Shopfloor zu bringen. Das Ergebnis ist ein Production Control Center (PCC): zehn Echtzeit-Dashboards, eines pro Produktionsabteilung, die Aufträge, Termine und Abweichungen zeigen, sobald sie auftreten. Mit einem KI-gestützten Vorgehen zum Reverse Engineering des ERP-Datenmodells lieferte iosys in rund 30 Engineering-Stunden ein produktives Resultat. Schon drei Wochen nach der Einführung verzeichnete DUAP messbare Verbesserungen bei Qualität und Durchlaufzeiten.

Einführung

1943 gegründet und bis heute in Familienhand, baut die DUAP AG in Herzogenbuchsee (BE) Einspritzsysteme für Grossmotoren in Schiff-, Industrie- und Energieanwendungen. Das Unternehmen gilt als Innovationsführer bei alternativen Treibstoffen wie Wasserstoff und verfügt über eine hohe eigene Fertigungstiefe, inklusive eigener Härterei.

Wie bei vielen Schweizer Herstellern lagen wertvolle Produktionsdaten im ERP verborgen. Weit weg von den Menschen, die sie am dringendsten brauchten: den Teams auf dem Shopfloor.

"Wir wollten, dass unsere Produktionsteams auf einen Blick sehen, worauf es gerade ankommt: Aufträge, Termine, Abweichungen. Diese Daten lagen im ERP, kamen aber nie dort an, wo die Arbeit passiert."

— Stephan Nowak, COO, DUAP AG

Die Herausforderung

Das Ziel: Live-Produktionsdaten aus dem ERP auf die Shopfloor-Bildschirme bringen. Die Hürden dabei waren erheblich:

  • Ein undokumentiertes System. Das ERP der DUAP ist proprietär und ohne Schema-Dokumentation. Rund 5'000 Datenbankobjekte, mit Abkürzungen als Tabellen- und Spaltennamen.
  • Ein fremder Stack. Eine Oracle-Datenbank und ein Datenmodell, dessen Struktur intern nicht bekannt war.
  • Kein Wegweiser. Ein Experte, der das Datenmodell hätte im Detail erläutern können, stand nicht zur Verfügung.

Die klassischen Optionen waren wenig verlockend: eine potentiell langsame, teure Entwicklung, das Einkaufen eines Spezialisten, oder gar nicht erst anzufangen. Alternativ dazu sah das DUAP Management in der Unterstützung durch iosys das Potential, mit spezifischem KI- und Datenaufbereitungs-Know-how auf eine agile und zeitsparende Weise sehr fokussiert an die relevanten Daten zu gelangen und diese bedarfsorientiert kompakt darzustellen.

Das Vorgehen: KI als Ermittler und Übersetzer

iosys rekonstruierte das Datenmodell ohne weitere Hilfe, mit einem disziplinierten, KI-gestützten Vorgehen. In vier Schritten:

  1. Die Struktur exportieren. Das System zeigt, welche Tabellen es überhaupt gibt. Nach Grösse sortiert trennen sich jene mit echten Daten vom leeren Rest.
  2. Sprache übersetzen. Die KI bildet Shopfloor-Begriffe («Auftrag», «Ausschuss», «Arbeitsgang») auf die kryptischen ERP-Namen ab.
  3. Jede Vermutung beweisen. Keine Annahme gilt, bis eine Abfrage sie bestätigt. Hypothese, Abfrage, Befund.
  4. Wissen im Code verankern. Stimmt die Abfrage, wandert sie in die Anwendung. Dauerhaft festgehalten via Versionierung, statt undokumentiert in den Köpfen.

Der Trichter von einer riesigen Datenbank zu den wenigen Tabellen, auf die es ankommt:

~5'000 Objekte im ERPalles vorhanden~40 Tabellen mit Substanznach Grösse sortiert6 Kerntabellen (Shopfloor)per Abfrage belegt

Der Rest, also leere, technische oder Konfigurationstabellen, war für den Shopfloor irrelevant.

Die Datengrenze: Die Daten des Kunden bleiben im Haus

Eine Frage, die jeder Hersteller stellt: Verlassen unsere Produktionsdaten das Haus? Nein. Das Vorgehen trennt sauber zwischen Struktur und Inhalt:

DatengrenzeKunde · vor OrtLive-ERP-DatenAufträge, Mengen, Terminebleiben im HausStrukturAbfrageResultatKI · remoteSieht nur die StrukturNamen und Schlüsselnie die Inhalte

  • Die Daten bleiben beim Kunden. Die KI sieht nur das Schema, nie echte Aufträge oder Mengen.
  • Logik ändert sich im Raum. Eine Regel lässt sich anpassen und in derselben Sitzung an Live-Daten zeigen, nahezu in Echtzeit.
  • Der Kunde besitzt das Fachwissen. Die KI beschleunigt nur die Ermittlung. Die Wahrheit ist der Prozess des Kunden plus seine Daten. Kein ERP-Spezialist nötig, nur gute Fragen und schnelles Verifizieren.

Die Ergebnisse

Anfang Juni 2026 eröffnete DUAP offiziell ihr Production Control Center auf dem Shopfloor: dieselbe Lösung auf zehn Bildschirmen, je einem pro Abteilung, die jeweils die eigenen Live-Kennzahlen der Abteilung zeigen.

KennzahlWert
Zeit bis zur produktiven Lösungwenige Wochen
Engineering-Aufwandrund 30 Stunden
Shopfloor-Bildschirme mit Live-Daten10, je einer pro Abteilung
Produktionsdatenbleiben im Haus

Die Lösung entstand von Anfang bis Ende mit KI-gestützter Entwicklung: schlank, wartbar und vollständig im Besitz des Kunden.

"Schon drei Wochen nach dem Launch hat das Production Control Center seinen Wert bewiesen: Wir sehen messbare Verbesserungen bei Qualität und Durchlaufzeiten. Noch wichtiger: Trotz anfänglicher Skepsis haben unsere Mitarbeitenden die Vorteile rasch erkannt und das System in ihren Arbeitsalltag integriert. Ein besonderer Dank geht an iosys für die professionelle Unterstützung bei Data Mining und -aufbereitung. Dank ihrer Expertise konnten wir das Projekt schnell und sehr effizient umsetzen."

— Kuno Jung, Leiter Geschäftsentwicklung und Mitglied der Geschäftsleitung, DUAP AG

Wo lagen die Herausforderungen

Die Technik war nur ein Teil der Geschichte. Die schwierigeren Teile waren organisatorisch:

  • Tägliche Rückmeldung. Ohne tägliche Buchung aus der Fertigung keine tägliche Kennzahl. Diese Disziplin musste zuerst etabliert werden.
  • Ausschuss-Bearbeitung. Wie wird mit Ausschuss umgegangen? Das war Change-Management, nicht nur Code.
  • Feldbedeutungen als Fallen. Kryptische Namen, Statuscodes und unklare Reihenfolge der Arbeitsgänge. Glücklicherweise liess sich das schnell ermitteln.

Letztlich ist Datenqualität ebenso eine organisatorische wie eine technische Frage.

Fazit

In wenigen Wochen wurde aus einem unlesbaren ERP ein produktives System, das heute täglich auf zehn Bildschirmen genutzt wird. Drei Erkenntnisse tragen über dieses Projekt hinaus: Unbekannte Technologie ist dank KI kein grosses Hindernis mehr. Das Wissen steckt dauerhaft im Code, nicht in den Köpfen einzelner. Und die Methode lässt sich auf das nächste System übertragen. Stecken Ihre Produktionsdaten in einem Legacy- oder undokumentierten ERP fest? iosys hilft Ihnen, sie nutzbar zu machen.

Dieses Projekt ist ein Beispiel unserer umfassenderen Arbeit an Prozessautomatisierung und digitalem Shopfloor Management.